9 Anzeichen bei Katzen, sofort tierärztliche Hilfe zu suchen

Du hast dich doch bestimmt auch schon mal gefragt, muss ich mit meiner geliebten Katze jetzt sofort zum Tierarzt oder habe ich noch Zeit? Und das ja meistens am Wochenende oder zu anderen “unpassenden” Zeiten. Im Folgenden gebe ich dir ein paar Anhaltspunkte, um dir die Entscheidung zu erleichtern.

Behalte aber jederzeit im Hinterkopf: Bitte hole dir immer fachmännische Hilfe, wenn du dir um deinen Liebling Sorgen machst. Für mich als Tierarzt gibt es kaum schlimmeres, als nicht mehr helfen zu können, weil aus den verschiedensten Gründen zu lange gewartet und ich eben nicht um Rat gefragt wurde.

1. Starke, anhaltende oder pulsierende Blutungen

Pulsierende und hellrote Blutungen sind Anzeichen einer arteriellen Blutung, welche innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden kann. Aber auch Blutungen, die nicht zum Stehen kommen, können durch den anhaltenden Verlust das Leben bedrohen. Ab einem Blutverlust von 30 % – 40 % ist das Leben akut gefährdet, das entspricht in etwa 28 ml Blut pro kg Körpergewicht.

Eine Menge von 8 % Blutverlust, dies entspricht in etwa 5, 6 ml Blut pro kg, können jedoch in der Regel ohne weiteres verkraftet werden. Eine abgerissene Kralle zum Beispiel bedeutet einen Blutverlust von ca. 5–10 ml, wenn sie nicht versorgt wird und ist dementsprechend weit entfernt von lebensbedrohlich.

Da Blut jedoch stark färbt, sehen auch solche Verletzungen oft schlimmer aus als sie sind. Kleinere Blutungen stehen in der Regel jedoch recht schnell, wenn über einige Zeit Druck ausgeübt wird.

2. Atemnot

Egal aus welchem Grund, wenn deine Katze schlecht Luft bekommt, musst du umgehend deinen Tierarzt kontaktieren. Atemnot kann schnell lebensbedrohlich werden und bedeutet für deine Katze Todesangst.

Eine etwas schnellere Atmung oder Atemgeräusche ohne, dass deine Katze Unwohlsein zeigt, sind hier allerdings nicht gemeint. Atemnot kann, muss aber nicht von Atemgeräuschen begleitet sein.

Deine Katze wird bei Atemnot jedoch eine starke Arbeit der Brust- und Bauchmuskeln, eine erhöhte Atemfrequenz und deutliche Anzeichen von Unwohlsein zeigen. Sollten die Schleimhäute eine bläuliche Farbe annehmen, ist es allerhöchste Zeit einen Tierarzt aufzusuchen.

Bis dahin solltest du für eine ruhige Umgebung, wenig Stress für deine Katze und gute Luft sorgen. Atemnot kann verschiedenste Ursachen haben: Insektenstiche oder allergische Reaktionen können zu einer eingeschränkten Atemfunktion führen.

Flüssigkeits- und Luftansammlungen im Brustraum können die Lunge komprimieren und das Atmen erschweren. Ebenso können natürlich auch tumoröse Veränderungen das Lungengewebe verändern und zu Atemnot führen.

3. Verbrennungen oder Verätzungen

Verbrennungen sind sehr schmerzhaft und können großflächig sogar lebensbedrohlich werden. Katzen sind sehr reinliche Tiere und versuchen sich immer sauber zu halten. Ätzende Substanzen können so beim Putzen von deiner Katze aufgenommen werden.

So kann es zu weiteren Verätzungen oder Vergiftungen kommen. Dasselbe gilt auch für Farben, Lacke, Öle etc. Katzen sind generell sehr empfindliche Wesen, wenn es um Verträglichkeiten geht.

So sind viele Medikamente, die für uns Menschen oder andere Tiere bedenkenlos verträglich sind, für Katzen, mitunter tödlich, giftig. Wenn du also den Verdacht hast, deine Katze könnte etwas für sie schädliches aufgenommen haben, kontaktiere bitte deinen Tierarzt.

In den Wintermonaten seien besonders Frostschutzmittel erwähnt. Diese schmecken oft süßlich und werden daher von Katzen aufgenommen. Das darin enthaltene Ethylenglycol ist jedoch giftig.

4. Plötzliche, starke Lahmheit, wenn ein Unfall nicht ausgeschlossen werden kann

Die Lahmheit könnte durch einen Unfall (bei Freigängern muss immer auch an Autounfälle gedacht werden) verursacht worden sein. Durch die von außen einwirkenden Kräfte, könnte es auch zu inneren, lebensbedrohlichen Verletzungen gekommen sein. Diese können oft in einem Röntgenbild oder einer Ultraschalluntersuchung gesehen werden.

5. Deine Katze erbricht ununterbrochen und wirkt in ihrem Verhalten stark gestört

Ununterbrochenes Erbrechen kann verschiedene Ursachen haben. So könnte deine Katze einen Fremdkörper verschluckt haben, welcher eine weitere Passage des Futters verhindert. Katzen spielen gerne mit Bindfäden, welche, wenn sie verschluckt werden, unter anderem dazu führen können, dass der Darm sich daran auffädelt. Dies muss schnellstmöglich operativ versorgt werden, bevor es zu ernsten Schädigungen des Darmes kommt und das Leben deines Lieblings bedroht.

6. Augenverletzungen

Verletzungen der Augen sind hoch schmerzhaft und können zu irreparablen Schäden des Auges bis hin zur vollständigen Erblindung führen. Bei Verletzungen oder Fremdkörpern kann das betroffene Auge im schlimmsten Fall auslaufen und neben den hochgradigen Schmerzen zu einem Totalverlust der Augenfunktion führen.

Entferne Fremdkörper, welche in der Hornhaut des Auges stecken, bitte daher nicht selber, sondern überlass dies deinem Tierarzt, um die Schäden so gering wie möglich zu Halten. Aber auch Verletzungen zum Beispiel der Lidränder sollten schnellstmöglich versorgt werden, um einen ordentlichen Lidschluss und damit Schutz des Auges sicherzustellen.

Geringgradige Bindehautentzündungen, bei denen das Auge nur leicht gerötet ist und beinahe normal geöffnet und genutzt wird gehören jedoch nicht zu den Notfällen, welche sofort tierärztlich behandelt werden müssen.

Der nächste Sprechstundentermin reicht in der Regel für die Versorgung aus. Trübungen, ein zugekniffenes Auge oder Verletzungen im und am Auge sind jedoch ein Zeichen, schnell tätig zu werden.

Du solltest jedoch nie Salben, Cremes oder Tropfen auf eigene Faust verwenden, da du das Auge eventuell irreparabel schädigst. Bitte halte vor der Versorgung deiner Katze immer Rücksprache mit deinem Tierarzt.

7. Ein Krampfanfall, aus der die Katze nicht alleine herauskommt

Die meisten epileptischen oder epileptiformen Anfälle dauern weniger als 2 Minuten. Wenn der Krampfanfall über 5 Minuten anhält oder ein Krampfanfall gleich dem nächsten folgt, ohne dass deine Katze dazwischen wieder komplett zu Bewusstsein kommt, solltest du deinen Tierarzt kontaktieren.

Wenn deine Katze krampft, kommen viele verschiedene Ursachen in Betracht. Es muss nicht immer primäre Epilepsie sein, auch Stoffwechselerkrankungen, Herzprobleme oder tumoröse Geschehen können zu Krampfanfällen führen.

8. Bissverletzungen im Bauch/Brust/Kopfbereich

Insbesondere wenn deine Katze zusätzlich Atemnot, Schmerz oder ein gestörtes Allgemeinbefinden zeigt, solltest du nicht zögern deinen Tierarzt aufzusuchen. Die Bissverletzung könnte tieferliegende Strukturen beschädigt haben, auch wenn von außen nur wenig sichtbar ist.

Beachte aber bitte, dass jede Bissverletzung vom Tierarzt kontrolliert werden sollte. Oft bluten solche Verletzung nur wenig und sehen von außen sehr harmlos aus. Aber die unter die Haut verbrachten Bakterien führen unbehandelt meistens zu weiteren Problemen. Und sehr oft sind die Bissverletzungen bei Sondierung weitreichender als von außen sichtbar.

9. Wenn deine Katze mehr als 2 Tage überhaupt nichts frisst

Eine komplette Einstellung der Nahrung über mehr als 2 Tage, kann selber schon zu massiven Leberstörungen führen. Die Ursache der Futterverweigerung muss natürlich abgeklärt werden und kann vielfältige Ursachen haben. Stoffwechselprobleme, Zahnprobleme, Tumore, Atemprobleme sind nur einige der möglichen Ursachen. Je nach Ursache kann es sogar nötig werden, deine Katze einige Tage stationär zu behandeln.

Fazit

Diese Aufzählung ist natürlich nicht abschließend, es gibt eine Menge weiterer Gründe, zügig tierärztliche Hilfe zu suchen (Harnverhaltung, plötzliche Blindheit, starker Durchfall und so weiter). Daher solltest du dich nie scheuen, wenn du das Gefühl hast, deiner Katze geht es „echt mies“, deinen Tierarzt anzurufen. Es ist immer besser 100 mal zu früh Hilfe zu suchen, als 1 mal zu spät.

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