Hund adoptieren oder kaufen?

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Designer-Welpe oder Hund mit Vergangenheit? Wer sich einen Hund anschaffen möchte, steht oft vor der quälenden Entscheidung: Lieber einen Rasse-Welpen beim Züchter kaufen oder einen „gebrauchten“ Vierbeiner adoptieren? Die eingefleischten Tierschützer schwören auf Hunde, die hinter Gittern ein trauriges Dasein fristen oder gar aus der Tötungsstation im Ausland gerettet werden. Die Liebhaber einer bestimmten Rasse verteidigen ihr Recht auf den Traumhund aus erster Hand.

Hund adoptieren, nicht kaufen

Sachlich betrachtet, dürfte es hier eigentlich kein Dilemma geben – adopt, dont shop. Solange deutsche – und ausländische – Tierheime so voll sind, wie jetzt – auch mit Welpen und Rassehunden – , müsste sich jeder Tierliebhaber seinen tierischen Begleiter eben im Tierschutz suchen.

Sachlich betrachtet. Doch sachlich ist eine Entscheidung für einen Hund nie. Es ist eine Herzensangelegenheit – und als solche nicht mit logischen Argumenten zu bewältigen. Doch einen Versuch ist es wert.

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Tierschutzhund

Vorteile

  • Wird ein Hund vermittelt, kann ein anderes bedürftiges Tier nachrücken, Tierheime und Pflegestellen haben nur begrenzt Platz.
  • Egal aus welchem Grund der Hund im Tierheim landete: Mit einer Adoption gibt man dem Tier das Recht auf ein glückliches Leben zurück.
  • Die Hunde aus dem Tierschutz sind meist erwachsen und ihre Eigenschaften klar erkennbar. So kann man ein optimal funktionierendes Mensch-Hund-Team bilden.
  • Hunde in den Tierheimen kann man mehrmals, auch wochenlang besuchen und auf Gassirunden beobachten. So lernen sich beide kennen, Überraschungen werden minimiert.
  • Eine Adoption stellt sicher, dass keine dilettantischen Züchter und illegalen Vermehrer unterstützt werden.
  • Das Gefühl, einem bedürftigen Tier ein Zuhause gegeben zu haben, ist unbezahlbar und die Freude ungleich höher und nachhaltiger als einen Designer-Welpen geschenkt zu bekommen.
  • Im Vergleich zum Erwerb eines Zuchthunds, muss der Käufer nur eine geringe Schutzgebühr zahlen, in der Regel zwischen 200 und 350 EUR. Die Schutzgebühr unterstützt nicht nur das Tierheim, sondern sorgt auch dafür, dass man sich eine Adoption ernsthaft überlegt.

Nachteile:

  • Viele Tierschutzhunde sind traumatisiert oder haben aufgrund der Einsperrung ein unerwünschtes Verhalten entwickelt. Erfahrung und Geduld sind nötig.
  • Auch unter den Tierschutzorganisationen gibt es schwarze Schafe, die nur Geld generieren möchten. Vorsicht ist geboten.

Bestimmte Rassen hoch im Kurs

Aktuell gibt es über 340 anerkannte Hunderassen. Saisonal bedingt erfreuen sich mal die einen, mal die anderen einer höheren Popularität.

Seit mehreren Jahren hat der Labrador als eine besonders familienfreundliche Rasse die Schnauze vorn, abwechselnd mit dem Deutschen Schäferhund.

Hoch in der Gunst der Hundehalter stehen gerade die Französische Bulldogge, der Chihuahua oder der Ridgeback. Trotz seiner kurzen Beine gewinnt immer wieder der Dackel das Rennen.

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Auch der Berner Sennenhund knuddelt sich erfolgreich durch deutsche Haushalte. Das Ranking variiert leicht je nach Quelle und gerade herrschender Mode, große Überraschungen gibt es aber seit Jahren nicht. Mainstream bleibt Mainstream.

Rassehund

Vorteile:

  • Man kann sich den erträumten Hund in einem Wurf aus mehreren Hundebabys aussuchen.
  • Man erlebt den Hund als Welpen und erfreut sich daran, ihn aufwachsen zu sehen.
  • Anfänger haben mit einem Welpen vom Züchter etwas leichter. Das Tier hat in der Regel die rassetypischen Eigenschaften und man weiß genau, was es bisher erlebt hat.

Nachteile:

  • Ein Kauf im Internet oder beim unseriösen Züchter geht sehr schnell von statten. Häufig passt der Hund nicht zum Lebensstil des Halters oder ist er krank.
  • Jeder Kauf vom Züchter oder aus zweiter Hand nimmt den Tierheimhunden die reelle Chance auf ein neues Zuhause.
  • Ökologisch sündhaft: Je mehr Hunde, desto größere Umweltverschmutzung.
  • Wegen Qualzucht von Moderassen leiden Rassehunde oft an genetisch bedingten Erkrankungen oder Missbildungen.
  • Erheblich teurer als die Schutzgebühr im Tierheim.

Rassehunde aus zweiter Hand

Nur die wenigsten Liebhaber einer bestimmten Rasse ziehen eine Adoption in Betracht und suchen nach ihrem Favoriten im Tierheim.

Die überwältigende Mehrheit kauft den Rassehund bei einem – mehr oder weniger seriösen – Züchter. Dabei gibt es zahlreiche Tierschutz-Vereine, die sich auf konkrete Rassen spezialisiert haben:

Bei „Podenco in Not“, „Rottweiler in Not“ usw. gibt es beispielsweise Trennungshunde, Weihnachtsgeschenke und Tiere, deren Besitzer gestorben sind.

Ein Hund aus einem solchen Verein erfüllt die Erwartungen an rassespezifische Eigenschaften, wird aber nicht extra designed, sondern bekommt eine zweite Chance.

Ein Zuchthund ist vorhersehbarer

Jeder Hund ist ein Individuum mit unterschiedlichem Temperament und Charakter und trotzdem besitzen die allermeisten Vertreter einer bestimmten Rasse eine ganze Reihe an typischen Eigenschaften.

Das macht den Hundekauf einigermaßen vorhersehbar – und für die meisten deswegen attraktiv.

Die künftigen Halter wissen zumindest grob, worauf sie sich einlassen: die zu erwartende Größe, das ungefähre Gewicht, bestimmte Charaktereigenschaften sowie mögliche „Hobbys“ der Tiere sind meist leichter vorauszusehen als bei einem Adoptionshund.

Gerade Anfänger in der Hundehaltung fühlen sich mit der Entscheidung für den Kauf und gegen Adoption sicherer. Allerdings ist jeder Hund in Wirklichkeit eine Wundertüte.

Selbst, wenn er aus wohlbehüteten Verhältnissen kommt und unter liebevoller Aufsicht aufwächst. Eine Garantie, was gesundheitlich und charakterlich in ihm schlummert, hat man nie.

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Rassehund: Entscheidet Charakter oder Optik?

Das häufigste Argument, das beim Welpenkauf fällt, ist: Ich brauche einen Hund mit konkreten Eigenschaften.

Da die wenigsten Vierbeiner allerdings als Servicehunde eingesetzt werden, welche tatsächlich bestimmte Charakterzüge oder Fähigkeiten besitzen sollten, geht es bei der Entscheidung für eine bestimmte Rasse sehr oft darum, dass der auserwählte Welpe bestimmte Neigungen eben nicht haben soll, wie etwa Jagdinstinkt, übermäßiges Bellen oder starkes Haaren.

Weniger Menschen, die sich für einen Rassehund entscheiden, geben zu, dass es sehr oft doch vor allem um die Optik geht. Und noch seltener gestehen sie sich ein, dass ein teurer Rassehund auch ein Prestigeobjekt ist.

Laut der Heimtierstudie „Wirtschaftsfaktor Heimtierhaltung“, die 2014 an der Universität Göttingen durchgeführt wurde, kostet ein Rassehundwelpe im Durchschnitt zwischen 800 und 1.000 Euro, häufig aber auch deutlich mehr.

Der jährliche Umsatz aus Zucht und Erwerb von Hunden wird in Deutschland auf 300 bis 350 Millionen Euro geschätzt.

Welpenhandel floriert

Manchmal werden Rassehunde aber auch billig erstanden, etwa über Anzeigen im Internet oder gar auf einem Parkplatz, direkt aus dem Kofferraum.

Welpenhandel ist ein florierendes Geschäft, Experten schätzen es als mindestens so lukrativ wie den Drogenhandel. Mitleidskäufe kurbeln das rücksichtslose Prozedere noch an.

Sehr viele Tiere „aus einer Liebhaberzucht“ stammen aus regelrechten Zuchtfabriken, in denen Muttertiere in miserablen Zuständen als Gebärmaschinen ausgebeutet werden.

Solche Welpen erweisen sich in den meisten Fällen als schwer krank: Ihre Therapie kostet nicht selten mehrere Tausend Euro und bringt häufig keine vollständige Genesung.

Durch Inzucht und schwere genetische Fehler, die in mehreren Generationen weitergegeben wurden, leiden solche „Rassenhunde“ in der Regel ihr Leben lang an unterschiedlich ausgeprägten Erkrankungen und haben nur eine kurze Lebenserwartung.

Qualzucht weit verbreitet

Es muss allerdings keine ominöse Internet-Anzeige sein und auch kein spontaner Kofferraum-Kauf aus Mitleid. Es gibt genug schwarze Schafe auch unter den Züchtern hierzulande.

Und vor allem: Gerade die populärsten Rassen sind aufgrund von Modeerscheinungen qualgezüchtet worden und leiden unter sichtbaren und unsichtbaren Fehlentwicklungen: zu kurzer Nase, zu kleinem Schädel, deformierter Hüfte, zu viel Haut, früh ansetzender Blindheit, Herzfehlern.

Die Liste ist mindestens so lang, wie der Appetit der Käufer, den ach so angesagten Hund zu besitzen. Auch wer auf Ahnentafel steht, wird eine Adoption nicht in Erwägung ziehen – nur in absoluten Ausnahmefällen landen im Tierheim Hunde mit Papieren.

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Hundert Tausende Hunde hinter Gittern

Mit jedem Kauf vom Züchter oder aus zweiter Hand wird den zahlreichen Tierheimhunden die reelle Chance auf ein neues Zuhause genommen.

Lässt sich das mit dem eigenen Gewissen als Tierliebhaber vereinbaren? Offenbar ziemlich problemlos. Laut der Göttinger Studie werden in Deutschland jährlich circa 450.000 Rassewelpen gekauft.

Gleichzeitig landen nach Angaben der Tierschutzorganisation PETA jedes Jahr etwa 300.000 Tiere in den Tierheimen, davon 120.000 Hunde. Im Ausland werden Tierheimhunde wegen Überfüllung regelmäßig eingeschläfert.

Ist die Entscheidung für einen Zuchtwelpen angesichts der miserablen Lage so vieler Artgenossen hinter Gittern wirklich gerechtfertigt?

Hunde als Umweltsünder

Wem Tierliebe als Argument für eine Adoption nicht reicht, der sollte sich die Umweltbilanz der Hunde näher anschauen. Blendet man die positiven Aspekte der Hundehaltung aus – wie etwa mehr Bewegung, weniger Stress sowie eine antidepressive und therapeutische Wirkung von Hunden – sind die Vierbeiner ein ganz klarer Umweltfaktor.

Laut einer Schweizer Studie zur Ökobilanz von Haustieren ist die Umweltbelastung durch einen Hund im Jahr etwa so hoch wie eine 3.700 Kilometer lange Autofahrt. Je größer das Haustier, desto belastender ist es für die Umwelt.

Der entscheidende Faktor ist laut der Untersuchung das Futter, dessen Produktion Emissionen verursacht. Am schädlichsten für die Umwelt ist Trockenfutter, da besonders energieintensiv in der Herstellung.

Aber auch die Barfer kurbeln das Geschäft mit der Massentierhaltung an: Die Fleischindustrie ist einer der wichtigsten Treiber des Klimawandels. Neben der Fütterung schlagen auch direkte Emissionen der Tiere, also Ausstoß von Methan, bei der Öko-Bilanz zu Buche.

Produziert man immer mehr Rassehunde, während gleichzeitig tausende auf ihre Chance im Tierheim warten, trägt man wissentlich zur Klimabelastung bei.

Fazit zu Hund adoptieren oder kaufen

Eine Adoption stellt die bessere Alternative zum Kauf dar und das aus mehreren Gründen. Allen voran sollte der Tierschutz eine Rolle spielen – jeder neu gekaufte Rassehundwelpe raubt einem Tierheimhund die Chance auf ein glückliches Zuhause.

Auch aus Umweltgründen ist ein Hundekauf nicht ratsam – immer mehr Hunde kurbeln die Geschäfte der umweltschädlichen und den Nutztieren gegenüber ausbeuterischen Fleischindustrie an.

Wer in eine bestimmte Rasse verliebt ist, kann danach bundesweit auf dem Portal tierheimhelden.de suchen oder einen Tierschutz-Verein kontaktieren, der sich auf eine konkrete Rasse spezialisiert.

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