Hund sabbert: Harmlos oder ein gesundheitliches Problem?

hund sabbert
Bild: @shutterstock.com

Für viele Menschen ist es völlig selbstverständlich: Ein Hund sabbert halt auch mal, ganz normal und natürlich. Das ist sicherlich richtig, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Denn neben physiologischen (also ganz natürlichen) Ursachen dafür, dass ein Hund sabbert, gibt es auch verschiedene andere Auslöser für dieses übermäßige Speicheln, denen wir in diesem Text auf den Grund gehen wollen. So kannst du in Zukunft entscheiden, in welchen Situationen du das Sabbern deines Hundes als harmlos abtun kannst und wann eventuell ein Eingreifen deinerseits notwendig ist.


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Manchmal störend, aber völlig normal: wann ein gesunder Hund sabbert

Die meisten Hundebesitzer kennen es: da hat man sich einmal schick gemacht, trägt vielleicht das neue schwarze Kleid oder die schicke Stoffhose und will sich nur noch kurz vom Hund verabschieden, bevor man das Haus verlässt. Und schon ist es passiert, die feuchte Hundeschnute stupst einen freundlich an und zurückbleibt ein schleimiger Streifen als Ausdruck der vierbeinigen Liebesbekundung.

In dem Moment vielleicht ärgerlich, aber kein Grund zur Sorge. Denn dass sich im Maul und in den Lefzen des Hundes Speichel sammelt ist ganz normal – und wichtig. Der Speichel hilft, die Nahrung einzuweichen und die Geschmacksknospen zu spülen. Außerdem sorgt der abgeschluckte, basische Speichel dafür, dass der pH-Wert im Magen abgepuffert wird, sprich die Säure keine Überhand nimmt.

In verschiedenen Situationen nimmt die Speichelproduktion kurzzeitig zu, was dann nicht selten dazu führt, dass sich ein Teil des Speichels in den Lefzen sammelt und eventuell aus dem Maul tropft – der Hund sabbert. Ganz klassisch ist natürlich, dass die Produktion des Speichels vom Körper hochgefahren wird, weil die Aufnahme von Nahrung erwartet wird und die Verdauungsvorgänge in Gang gesetzt werden.

Das passiert, wenn der Hund etwas zu fressen sieht oder riecht. Auch Aufregung und das Wahrnehmen interessanter Gerüche kann dazu führen, dass vermehrt Speichel produziert wird und es zum Sabbern kommt. Daher passiert es oft, dass Hunde beim Spaziergang sabbern, vor allem wenn neue, unbekannte Gegenden erkundet werden.

Zu Bedenken ist, dass nicht jeder Hund gleich viel oder stark sabbert. Denn das Sabbern ist eng an die körperlichen Attribute des jeweiligen Hundes gekoppelt. Hunde mit straffem Bindegewebe und eher schmalen Schnauzen neigen sehr viel weniger zum Sabbern, als solche mit sehr breiten Schädeln, lockerer Haut und hängenden Lefzen.


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Nicht immer ist Sabbern beim Hund harmlos

Der sabbernde Hund beim Anblick eines saftigen Steaks bereitet wohl kaum einem Besitzer Kopfzerbrechen – ist es doch allzu logisch und allbekannt. Wenn der Hund aber plötzlich sabbert und schmatzt, ohne dass eine solch naheliegende Ursache ersichtlich wäre, fragt man sich, was dahinter stecken könnte. Als mögliche Ursache wäre da als erstes Übelkeit zu nennen.

Wenn einem Hund schlecht ist, zum Beispiel weil er einen Magen-Darm-Infekt hat oder der Magen übersäuert ist, zeigt sich das oft durch Sabbern und Schmatzen. Oft kann dieses Verhalten auch beim Autofahren beobachtet werden, wenn der Hund unter Reiseübelkeit leidet. Das kann so weit gehen, dass ununterbrochen Speichel aus dem Hundemaul läuft und schliesslich darin gipfeln, dass der Hund sich übergibt.


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Bei einem Magen-Darm-Infekt kann es helfen, deinen Hund einige Stunden nüchtern zu lassen, damit sein Magen zur Ruhe kommen kann. Die folgenden Mahlzeiten sollten dann klein sein und den Magen schonen. Matschig gekochter Reis, gekochtes Hühnchenfleisch oder etwas Kartoffelbrei sind hier gut geeignet. Sollte seine Übelkeit aber anhalten oder mit Durchfall oder einem reduzierten Allgemeinbefinden einhergehen, solltest du immer deinen Tierarzt zu Rate ziehen.

Eine Übersäuerung des Magens kann zum Beispiel dann auftreten, wenn der Hund deutlich länger als gewohnt nichts zu fressen bekommen hat. Der Magen produziert die gewohnten Mengen an Magensäure, wenn aber keine Nahrung im Magen ankommt, reizt die Säure die Magenschleimhaut und führt zu Übelkeit.

In diesem Fall ist es hilfreich, dem Hund eine kleine Menge Futter anzubieten, um der Magensäure etwas „zu tun“ zu geben. Wenn dein Hund unter Reiseübelkeit leidet, solltest du zunächst längere Fahrten vermeiden und das Auto fahren Schritt für Schritt üben. Für Urlaubsfahrten oder andere unvermeidbare lange Strecken gibt es die Möglichkeit, beim Tierarzt Medikamente gegen Reiseübelkeit zu bekommen.


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Manchmal findet sich die Ursache für das Sabbern aber auch direkt am Ort des Geschehens: in der Maulhöhle. Zahnschmerzen, Zahnfleischentzündungen oder Verletzungen im Maulbereich gehen oft mit starkem Speicheln und Sabbern einher. Auch andere krankhafte Veränderungen der Maulhöhle, wie zum Beispiel gut- oder bösartige Tumoren können zu den genannten Symptome führen.

Ein weiterer potenzieller Grund, warum ein Hund sabbert, ist psychischer Natur. Stress, große Aufregung oder Angst können dazu führen, dass der Speichelfluss zunimmt und es zum Sabbern kommt. In diesen Fällen zeigt der Hund meist weitere Symptome für Unbehagen und/oder Unsicherheit, wie starkes Hecheln, weit zurückgezogene Lefzen, Meideverhalten wie „in die Ecke kauern“, Lefzen lecken oder den Blick abwenden. Wenn du vermutest, dass dein Hund unter einer solchen Problematik leidet, solltest du einen guten Hundetrainer um Hilfe bitten.

Notfall – ab zum Tierarzt!

Wenn das Sabbern deines Hundes mit weiteren Symptomen einhergeht, kann ein lebensbedrohlicher Notfall vorliegen. Als wichtigste (weil gefährlichste) Ursachen möchten wir hier die Magendrehung und die Überhitzung nennen. Eine Magendrehung beim Hund kommt vor allem bei sehr großen Rassen mit tiefem Brustkorb vor. Da der Magen im Körper des Hundes sehr locker „aufgehängt“ ist, kann es dazu kommen, dass er sich spontan um seine eigene Achse dreht.


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Dabei werden sowohl Magenein- und -ausgang, als auch sämtliche Blutgefäße zugezwirbelt, was sehr schnell zu einer lebensbedrohlichen Belastung des Kreislaufes führt. Zudem gast der gedrehte Magen extrem auf, was die Atmung stark beeinträchtigt. Klassische Symptome einer Magendrehung sind Unruhe bis Apathie, starkes Speicheln, erfolglose Versuche zu Erbrechen und das Unvermögen, Futter oder Wasser abzuschlucken.

Der Bauch wirkt trommelartig aufgetrieben. Wenn du eine solche Symptomatik bei deinem Hund beobachtest, ist Eile geboten! Eine Magendrehung ist immer ein lebensbedrohlicher Zustand, der SOFORT in tierärztliche Behandlung gehört. Minuten können hier über Leben und Tod entscheiden. Auch die Überhitzung des Körpers ist ein Notfall, der den Hund das Leben kosten kann.


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Starke körperliche Belastung oder hohe Umgebungstemperaturen können eine solche Überhitzung hervorrufen. Daher solltest du immer dafür sorgen, dass dein Hund im Sommer die Möglichkeit hat, sich abzukühlen. Schatten und Wasser sollten permanent zugänglich sein. Und niemals (nie, nie nie!!!) darf der Hund bei Sonneneinstrahlung oder hoher Außentemperatur im Auto zurückgelassen werden.

Ist es doch zur Überhitzung gekommen, äußert sich diese zum Beispiel durch schleimiges, dickflüssiges Sabbern, aufgerissene Augen und eine pinke, oft nach oben gerollte Zunge. Auch hier ist schnelles Eingreifen gefragt. Die Ursache der Überhitzung sollte sofort abgestellt werden und der Hund schnellstmöglich einem Tierarzt vorgestellt werden.

Während lange Zeit propagiert wurde, dass ein überhitzter Hund nicht zu schnell abgekühlt werden sollte, vermelden aktuelle Studien andere Ergebnisse. So zeigten sich signifikant bessere Überlebenschancen, wenn stark überhitzte Hunde abrupt heruntergekühlt wurden, beispielsweise durch das Verbringen in eine Wanne mit kaltem Wasser.


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Harmlose Schleifspuren auf der Kleidung VS. Hilferuf deines Hundes

Wie du siehst, können dem vermeintlich harmlosen Symptom „Sabbern“ vielfältige Ursachen zugrunde liegen. Ob bei deinem Hund lediglich der Appetit auf sein Futter oder die lockere Haut im Kopfbereich zum Sabbern führen und es somit einfach Teil eures gemeinsamen Lebens ist, oder ob bei deinem Vierbeiner mehr dahinter steckt und er auf deine Hilfe (oder die eines Tierarztes) angewiesen ist, solltest du nach diesem Text besser einschätzen können.

Im Zweifelsfall gilt natürlich immer: solange du ein gesundheitliches Problem nicht sicher ausschließen kannst, frage einen Tierarzt um Rat und hole dir – und deinem Hund – Hilfe.


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Ich bin seit 2009 Tierärztin und widme mich in meinem Berufsalltag neben der täglichen Sprechstunde vor allem der Chirurgie. Auch mein Privatleben wird maßgeblichen von Tieren bestimmt. Das Verhalten und das positive Training von Tieren zählen ebenso zu meinen Schwerpunkten wie die artgerechte Haltung. Des Weiteren züchte ich im kleinen Rahmen Germanische Bärenhunde und versuche, die Rasseentwicklung verantwortungsvoll positiv zu beeinflussen.