Katze humpelt: Die häufigsten Ursachen

katze humpelt
Bild: @shuttersttock.com

Deine Katze humpelt und du fragst dich, was das sein kann? Das Humpeln wir in der Tiermedizin als Lahmheit bezeichnet und weist auf einen schmerzhaften Bereich der Gliedmaße hin. Die Ursachen für ein sichtbares Humpeln deiner Katze können sehr vielfältig sein. Eine erste Einteilung kann schon bei der Haltung erfolgen: Ist die Katze ein Freigänger? Dann könnte sie einen Kampf oder einen Unfall im Straßenverkehr gehabt haben.


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Wird die Katze im Haus gehalten? Dann könnte sie von Gardinenstangen oder Türen gestürzt oder schlimmstenfalls in einem Fenster hängengeblieben sein. Sogenannte Kippfensterkatzen zeigen meist Lähmungserscheinungen in der Hinterhand und sind ein absoluter Notfall und enden leider auch oft tödlich. Fenster zum Kippen sollten daher immer Katzengerecht gesichert werden. Leben noch andere Katzen im Haushalt (was immer ratsam ist, da die Katze kein Einzelgänger ist und Kontakt zu Artgenossen braucht), kann es natürlich auch zu einem Kampf und zu Verletzungen gekommen sein.

Doch nicht jede Katze humpelt, wenn sie Schmerzen im Bewegungsapparat hat. Manchmal weisen auch kahle Stellen im Fell oder ungepflegtes Fell sowie ein verändertes Sprungverhalten auf Schmerzen hin. Fellveränderung können auf mehrere Arten durch Schmerz entstehen: Um Schmerzen zu vermeiden, kann es sein, dass deine Katze bestimmte Bewegungen meidet und so manche Areale weniger putzt.

Oder sie kann den schmerzenden Bereich gut erreichen und versucht durch exzessives Lecken Erleichterung zu finden, so ähnlich wie, wenn wir uns einen schmerzenden Arm reiben. Auch eine plötzliche Unsauberkeit oder veränderte Schlafgewohnheiten können auf Schmerzen im Bewegungsapparat hinweisen, ohne dass die Katze humpelt.

Was können die Ursachen sein, wenn ein Freigänger humpelnd nach Hause kommt?

Die häufigste Ursache meiner Erfahrung nach sind Kampfverletzungen in Form von Bissen. Die scharfen Zähne des Kontrahenten durchdringen die Haut und bringen so Bakterien in die Wunde, welche meist wenig blutet und sich schnell schließt. Ist deine Katze eine Kämpferin und läuft eher selten weg, ist meist eine der Vorderpfoten betroffen und kann geschwollen und warm sein. Gerade, wenn die Verletzung etwas älter ist, kommt oft Fieber hinzu, weil sich die Bakterien im Körper ausbreiten.

Ist deine Katze eher die schüchterne oder wenig Kampffreudige, kommen diese Bissverletzungen eher an den Hinterpfoten und im Schwanzansatzbereich vor, wenn der Angreifer noch einmal bei der Flucht nachfasst. Der Schwanz wird dann häufig wenig bis gar nicht bewegt und/oder deine Katze humpelt hinten auch ohne offensichtliche Verletzung.


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Wenn du den Verdacht hast, dass deine Katze einen Kampf hinter sich hat (oft sind auch kleinere Verletzungen an den Ohren zu sehen) solltest du zum nächstmöglichen Sprechstundentermin zu deinem Haustierarzt, um ein Ausbreiten der Infektion zu verhindern. Bei Katzen mit Freigang kann es auch zu Unfällen im Straßenverkehr kommen. Auch dies kann eine Lahmheit bei deiner Katze durch Prellungen oder gar Frakturen hervorrufen. Katzen sind oft hart im Nehmen, sodass ein kaum sichtbares Humpeln deiner Katze eine Fraktur nicht ausschließt.

Bei Kontakt mit einem Auto sind jedoch häufig die Krallen eingerissen oder aufgefasert, weil die Katzen versuchen sich im Asphalt festzuhalten. Solltest du befürchten, dass deine Katze einen Unfall hatte, solltest du unverzüglich deinen Tierarzt kontaktieren, da es auch zu inneren lebensbedrohlichen Verletzungen gekommen sein kann. Auch ein Sturz aus größerer Höhe kann zu solchen Verletzungen und Lahmheiten führen.


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Diese Katzen zeigen oft deutliches Unwohlsein, schnellere Atmung, Speicheln (wenn es zum Beispiel durch den Aufprall zu einer Fraktur des Kiefers gekommen ist und das Maul nicht mehr richtig geschlossen werden kann) oder wirken matt. Sollte eines der Symptome zu der Lahmheit dazukommen, ist ein sofortiger Gang zum Tierarzt erforderlich.

Welche Ursachen für eine Lahmheit kommen bei der Hauskatze in Betracht?

Auch Hauskatzen können Unfälle haben. Deine Katze kann zum Beispiel von einer Tür oder einer Gardinenstange stürzen. Meist gehen solche Missgeschicke gut aus, da die Katzen sich im Sturz drehen und meistens gut landen. Doch auch hierbei kann es zu Frakturen kommen. Ungewöhnliche Winkel, plötzliche starke Lahmheit oder das hinzukommen eines der oben aufgeführten Symptome sollten dich dazu veranlassen, deinen Tierarzt schnellstmöglich aufzusuchen. Bei mehreren Katzen in einem Haushalt kann es auch zu Kämpfen kommen, gerade, wenn neue Tiere integriert werden.

Meist laufen „innerhäusliche“ Kämpfe aber deutlich weniger gravierend ab als Revierkämpfe in freier Wildbahn. Auch wenn es keine Lahmheit ist, wie man sie sich vorstellt, sollten auch sogenannte Kippfensterkatzen nicht außer Acht gelassen werden. Wenn ein Fenster auf Kipp steht und deine Katze versucht hindurch zu springen aber hängen bleibt, kommt es meist zu gravierenden Verletzungen im hinteren Körperbereich, insbesondere dann, wenn die Katze versucht sich zu befreien.


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Es kann zu Lähmungen und Nierenquetschungen kommen. Diese Katzen sind absolute Notfälle und sollten sofort tierärztlich versorgt werden. Kippfenster müssen aus diesem Grund immer katzengerecht gesichert werden. Lähmungen können natürlich auch eine andere Ursache haben, wie zum Beispiel eine angeborene Polyneuropathie, bei der aber meist noch andere Symptome, wie ein sich verschlimmerndes Zittern auftreten. Zum Glück sind dies eher die seltenen Ursachen für Lahmheiten.

Welche Ursachen kommen noch in Betracht, wenn meine Katze humpelt?

Unabhängig von den Haltungsbedingungen können Lahmheiten auch durch Instabilitäten, wie zum Beispiel einem Kreuzbandriss hervorgerufen werden. Im gesunden Zustand werden die Knie unter Belastung von den Kreuzbändern stabilisiert. Ein gegeneinander Verschieben von Ober- und Unterschenkel wird verhindert. Reißt eines der Bänder, bekommt das Kniegelenk zu viel Spiel und wird instabil.

Auch eine veränderte Biomechanik, wie zum Beispiel bei der Patellaluxation oder der Hüftgelenksdysplasie können zu Lahmheiten führen. Die Patellaluxation stellt eine Verlagerung der Kniescheibe dar. Dadurch kann das Kniegelenk nicht gestreckt werden und die Katze zeigt eine Lahmheit. Die Ausprägung der Luxation kann variieren und sich im Laufe des Katzenlebens verändern. Bei der Hüftgelenksdysplasie ist die Hüftgelenkspfanne, in der der Oberschenkelkopf sitzt zu flach ausgeprägt.


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Dies kann zu Arthrosen oder im schlimmsten Fall zu einer Ausrenkung dieses Gelenkes führen und deine Katze fängt an zu humpeln. Sowohl die Patellaluxation als auch die Hüftgelenksdysplasie können vererbt werden und sollten daher bei der Zucht Beachtung finden. Entzündungen der Gelenke können ebenfalls unabhängig von der Art der Haltung auftreten und sind hochschmerzhaft. Sie können nur ein Gelenk oder mehrere zeitgleich betreffen und verschiedene Ursachen haben, welche oft mit einer Blutprobe geklärt werden können.

Was ist bei sehr jungen oder alten Katzen noch zu beachten?

Auch Probleme der Knochen selbst, wie zum Beispiel Knorpelstörungen, Knochenfragmente oder Störungen im Knochenwachstum können Lahmheiten ohne weitere Symptome verursachen. Im Röntgenbild und teilweise im Blutbild können diese Defekte und deren Ursachen oft gesehen und anschließend behoben werden.


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Lahmheiten können besonders bei noch wachsenden Katzen auch durch Stoffwechselerkrankungen verursacht werden, welche oft vererbbar sind und in bestimmten Rassen gehäuft auftreten. Zum Beispiel sind die geknickten Ohren der Scottish Fold auf einen generalisierten Knorpeldefekt zurückzuführen, welcher auch zu Wachstumsstörungen führen kann (Quelle: Krankheiten der Katze, V. Schmidt, M. C. Horzinek, H. Lutz, B. Kohn, F. Forterre; 5. Auflage; 2015; S 945).

Eine Lahmheit kann schon bei der Jungkatze zu beobachten sein oder erst später im Leben auftreten. Alte Katzen hingegen haben oft Arthrosen, insbesondere im Rückenbereich. Auch dadurch kann die Katze humpeln. Arthrosen sind knöcherne und knorpelige Verschleißerscheinungen der Gelenke und können prinzipiell jedes Gelenk betreffen. Eine altersgerechte und gelenkunterstützende Fütterung, sowie manuelle Therapien, wie zum Beispiel die Chiropraktik, können den Verlauf von Arthrosen günstig beeinflussen und die Gabe von Schmerzmitteln verzögern und minimieren.

Was ist das Fazit zu Katze humpelt?

Es gibt eine Vielzahl von Lahmheiten und eine noch größere Anzahl von möglichen Ursachen. Wenn deine Katze humpelt, sind die wenigsten Ursachen jedoch auf ein lebensbedrohliches Ereignis zurückzuführen und daher nicht als absolute Notfälle einzustufen. Zeigt deine Katze zu der Lahmheit jedoch weitere Auffälligkeiten oder vermutest du einen Unfall, musst du umgehend einen Tierarzt aufsuchen.


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Humpelt deine Katze jedoch mehr als 1–2 Tage, sollte die Lahmheitsursache vom Tierarzt abgeklärt werden, um unnötige Schmerzen oder Schäden zu vermeiden. Auf gar keinen Fall solltest du deiner Katze Schmerzmittel von dir geben. Paracetamol zum Beispiel ist schon in geringen Mengen für Katzen tödlich und auch andere Präparate werden nur schwer oder gar nicht vertragen, selbst, wenn sie für andere Tierarten gut verträglich sind. Im Zweifel, frag bitte immer deinen Haustierarzt um Rat, um deinem Liebling unnötige Schmerzen und Leiden zu ersparen.


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Ich habe an der Tierärztlichen Hochschule Hannover Tiermedizin studiert und dort auch aprobiert und promoviert. Während des Studiums habe ich in Pferdekliniken in Australien und den USA gearbeitet. Nach dem Studium sowohl in Gemischtpraxen als auch in Praxen spezialisiert auf Kleintiere bzw. Pferde. Zur Zeit bin ich in einer Kleintierklinik in Braunschweig als Tierärztin regulär angestellt und führe meine eigene Fahrpraxis für Chiropraktik und Laserakupunktur. Privat widme ich meine Zeit meiner kleinen Familie, der Kunst und meinem Pferd.