Katze trinkt viel: Daran kann es liegen

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Bild: @shutterstock.com

Trinkverhalten ist für alle Katzenbesitzer ein wichtiges Thema. Grundsätzlich sind Katzen ja eher dafür bekannt wenig zu trinken. Das ist einerseits ihrer südlichen Herkunft geschuldet, andererseits ihrem Fressverhalten, denn sie nehmen Flüssigkeit hauptsächlich mit der Nahrung auf. So kann es auch vorkommen, dass mir Patientenbesitzer in der Sprechstunde erklären „Sie würden ihre Katze niemals trinken sehen“. Doch in bestimmten Situationen kann es einem Katzenbesitzer durchaus auffallen, dass seine Katze plötzlich viel trinkt. Ob das nun bedenklich ist und was „(zu) viel trinken“ eigentlich bedeutet erfährst du in diesem Artikel.


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Muss ich mir sogen machen?

Das kommt darauf an. Es gibt zahlreich absolut harmlose Gründe, warum eine Katze mehr trinkt. Eine veränderte Wetterlage beispielsweise. Wenn es draußen heiß ist haben nicht nur Menschen mehr Durst, sondern auch unsere Samtpfoten. Doch den größten Einfluss auf das Trinkverhalten deiner Katze hat deine Fütterungsgewohnheit. Hier geht es vor allem um den Feuchtigkeitsgehalt im angebotenen Futter.

Der Feuchtigkeitsgehalt sollte auf allen Futtermitteln für Katzen klar ersichtlich unter den Inhaltsstoffen angegeben sein. Dieser Wert verrät dir, wie viel Wasser in der Nahrung deiner Katze enthalten ist. Vergleiche dazu einmal Trockenfutter (hierzu zählen auch viele Leckerchen und Katzensnacks) mit Feuchtfutter in Dosen und Frischebeuteln.

Du wirst einen gewaltigen Unterschied feststellen. In Trockenfutter befindet sich nur rund 10 % Restwasser, in Feuchtfutter, wie der Name schon sagt, hingegen circa 70–80 %. Eine Katze, die vor allem Trockenfutter frisst, muss daher natürlich viel mehr zusätzlich trinken, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Bei manchen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei Harnkristallen und Blasensteinen, macht man sich diesen Effekt als Tierarzt gerne zu nutzen, um durch die gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme durch Diät-Trockenfutter den Urin zu verdünnen. Auch eine „nicht Katzengerechte Fütterung“ von gepökelten oder stark gewürzten Lebensmitteln kann der Katze neben Verdauungsproblemen auch vermehrten Durst machen.

Dies gilt auch, wenn Katzen an ungeeigneten Zimmerpflanzen knabbern. (Bitte vor allem in der Vorweihnachtszeit an den besonders giftigen Weihnachtsstern denken – als Tierbesitzer möchte man sowas nicht geschenkt bekommen!)


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Katze trinkt viel – aber was ist eigentlich zu viel?

Wie bereits erwähnt hängt die Wasseraufnahme stark von der Fütterung ab. Es gibt jedoch Richtwerte, wie viel eine Katze täglich trinken sollte. Dieser Wert wird in der Literatur mit durchschnittlichen 50ml pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Das heißt, eine Katze mit 4 kg Körpergewicht sollte um die 200 ml Wasser trinken.

Ein großer Kater mit 6 kg Körpermasse um die 300 ml. In den kritischen Bereich kommen wir bei einer Wasseraufnahme von mehr als 100 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Also wenn deine 4 kg schwere Katze mehr als 400 ml trinkt. Bei einem 6 kg schweren Tier wären es dann mehr als 600ml.


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Damit du dir das ausrechnen kannst, solltest du die Wassermenge, die du deinem Stubentiger zur Verfügung stellst, mit einem Messbecher abmessen und die eventuelle Restmenge abziehen. So erhält man einen guten Richtwert, der im Krankheitsfall herangezogen werden kann.

Zur Veranschaulichung: eine 4 kg schwere Samtpfote sollte in 24 Stunden zwischen 200 und 400 ml trinken, eine 6 kg schwere Katze zwischen 300 und 600 ml. Zu dieser Wasseraufnahme sollte dann ein durchschnittlicher Urinabsatz von ebenfalls circa 50 ml pro Kilogramm Körpergewicht erfolgen.

Katze trinkt viel und uriniert viel

Als Tierärztin bezeichne ich dieses Verhalten als Polydipsie und Polyurie und kürze diese gerne mit PD/PU ab. Denn leider muss ich diese Symptome bei Katzen sehr häufig vermerken. Wir haben bereits geklärt, wie du vermehrtes Trinken bei deiner Katze feststellen kannst, indem du die ungefähren Milliliter errechnest und abmisst.


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Hier möchte ich dir noch Tipps geben, wie du vermehrtes Urinieren feststellen kannst. Erstmal wird dir auffallen, dass du größere Brocken im Katzenklo vorfindest. Eventuell verbringt deine Katze auch mehr Zeit auf der Katzentoilette, weil das Urinieren länger dauert.

Doch wie viel deine Katze wirklich pinkelt, ist so schwer abzuschätzen. Ein einfacher Trick, um schnell eine genaue Flüssigkeitsmenge zu eruieren, ist die „Müllsackmethode“ (wie ich sie genannt habe). Hierzu empfehle ich meinen Patientenbesitzern das Katzenklo auszuräumen und mit heißem Wasser (ohne Zugabe von Reinigungsmitteln) auszuwaschen.

Als neue Einstreu schneidet man handelsübliche Plastikmüllsäcke in ca. 2 cm dicke Streifen. Voila eine Einstreu, die nicht saugt. Der Handel bietet zu diesem Zweck auch hydrophobe Katzenstreu an.


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Nun kann das Messen beginnen (Im Idealfall wird nach jedem Pipi der Urin gesammelt und neu aufgefüllt). Das ist natürlich aufwendig, aber die Arbeit lohnt sich. Denn aus Urinproben kann man eine ganz Menge herauslesen. Die wichtigsten Erkrankungen mit PD/PU Symptomen kann man im besten Fall schon abklären. Diabetes zum Beispiel (Zucker im Harn).

Oder eine beginnende Nierenerkrankung (Harnkonzentration und Creatinin Eiweißquotienten Bestimmung). Außerdem lassen sich Entzündungszellen, Blut, Bakterien, Parasiten und Harnkristalle feststellen. Meiner Meinung nach ist die Harnuntersuchung eine der wichtigsten Untersuchungen bei Katzen und mit etwas Mithilfe von Katzenbesitzern einfach durchzuführen.


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Weiter Ursachen für PD/PU kann eine Schilddrüsenerkrankung sein, hier wird eine Blutuntersuchung Aufschluss geben. Außerdem sollte man daran denken, dass gewisse Medikamente auch PD/PU bewirken können. So können entwässernde Medikamente, wie sie bei einer Herz-Lungenerkrankung eingesetzt werden, vermehrtes Pinkeln und Durst auslösen. Auch beim Einsatz von Glukkokortikoiden ist dies der Fall.

Kann eine Katze zu viel trinken?

Im Normalfall tut sie das nicht, denn im Katzenkörper gibt es Messstationen, die den Flüssigkeitsspiegel sowie die lebensnotwendigen Elektrolyte ständig kontrollieren. Doch beispielsweise nach einer schweren Verletzung des Gehirns kann so etwas doch einmal vorkommen. Denn das Zentrum, das Durst auslöst, hat seinen Sitz im Zwischenhirn.

Wird es verletzt, kann es passieren, dass unkontrolliert enorme Menge an Flüssigkeit aufgenommen werden. Die Folge sind ausgeschwemmte Elektrolyte und ein Anschwellen der mit Flüssigkeit vollgesogenen Zellen. Es entstehen Ödeme. Im Gehirn ist dies jedoch fatal, denn durch die harte Schädeldecke gibt es keinen Platz zum Ausdehnen. Dies kann im Extremfall tödlich enden.


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Katze trinkt viel und frisst wenig

Leider ist diese Kombination oft einer ernsten Erkrankung geschuldet. Ich erlebe sehr oft, dass mir gerade bei etwas älteren Katzen vom Besitzer erfreut berichtet wird, dass „ihre Minki“ seit neuestem so brav trinkt und dass sie darüber sehr froh sind. Leider läuten bei mir hier jedoch die Alarmglocken. Meine nächste Frage ist auf jeden Fall: „Frisst sie auch etwas weniger“?

Wird diese Frage mit „Ja“ beantwortet, müssen unbedingt weiterführende Untersuchungen eingeleitet werden. Hier ernte ich oft Unverständnis von den Besitzern. Denn viele schieben es auf das Alter eines Tieres, dass es weniger frisst, schließlich sind sie ja auch nicht mehr so aktiv. Aber leider steckt häufig eine (beginnende) Niereninsuffizienz dahinter. Auch Leber und Bauchspeicheldrüsen Erkrankungen können vorliegen. Das „weniger Fressen“ ist hier oft ein Anzeichen von Übelkeit und Unwohlsein.


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Katze trinkt viel und erbricht

In diesem Fall muss man immer zum/zur Tierarzt/In gehen. Leider wird bei Katzen wie bei keinem anderen Lebewesen mit Erbrechen viel zu sorglos umgegangen. Klassisch für diese Kombination ist leider die so häufig bei Katzen vorkommende Nierenschwäche.

Da die Niere nicht mehr ihrer entgiftenden Tätigkeit nachkommt treten Stoffwechselprodukte aus dem Proteinabbau in Blutbahn über, dem Tier wird davon übel. Und Übelkeit führt zu Erbrechen. Auch kann eine angeschlagene Niere den Harn nicht mehr gut konzentrieren, so geht deiner Katze viel Flüssigkeit verloren, die sie versucht mit vermehrtem Trinken auszugleichen.

Katze trinkt viel und pinkelt in die Wohnung

Nun haben wir schon viele schlimme Ursachen für vermehrtes Trinken gehört. Erzählt mir ein Patientenbesitzer, dass seine Katze viel trinkt und in die Wohnung pinkelt, habe ich erstmal die Hoffnung, dass es sich um eine unkomplizierte Blasenentzündung handelt.


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Denn Katzen, die an einer Zystitis erkrankt sind, verknüpfen häufig den bei einer Entzündung schmerzenden Harnabsatz mit dem „Ort des Geschehens“, meiden die Katzentoilette und pinkeln so in die Wohnung. Das vermehrte Trinken ist einerseits dem vermehrtem Harnabsatz geschuldet, andererseits kann beispielsweise auch Fieber der Grund dafür sein.

Leider muss man jedoch sagen, dass jede schwerwiegende Erkrankung sich in vermehrtem Trinken und dem geschuldet, zu mehr pinkeln führen kann. Außerdem ist bei einer Katze Unsauberkeit häufig ein Ausdruck von Unwohlsein und jeder Besitzer sollte hier eine Abklärung organischer Ursachen in Angriff nehmen.


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So eine Ursache kann zum Beispiel eine Zuckerkrankheit sein. Beim Diabetes mellitus kommt es durch einen Insulinmangel zu einem krankhaften Anstieg des Blutzuckerspiegels. Solche Katzen trinken und pinkeln nicht nur vermehrt, sie sind oft (zumindest am Anfang der Erkrankung) übergewichtig. Bleibt die Erkrankung unbehandelt setzt trotz Heißhungerattacken ein langsamer Gewichtsverlust ein.

Dieser ist katabolen (abbauenden) Stoffwechselvorgängen geschuldet. Die Tiere bekommen ein stumpfes Fell und putzen sich nicht mehr, oft kann eine Hinterhandschwäche beobachtet werden.

Katze trinkt viel und hat Durchfall

Hier versucht der schlaue Katzenkörper die Flüssigkeit, die ihm über den Durchfall und damit zu flüssigen Kot verloren geht, durch vermehrtes Trinken auszugleichen. Also eigentlich eine gute Sache. Nur geht das nicht ewig gut und gerade wenn es sich um alte, schwache oder junge Katzen handelt sollte man das Tier schnell behandeln lassen. Sonst drohen Elektrolytmangel und Austrocknung.


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Junge Katze (Kitten) trinkt viel

Bei manchen (Rasse) Katzen kommen leider angeborene Nierenerkrankungen vor. So solltest du auch bei jungen Kätzchen ein vermehrtes Trinken nicht einfach ignorieren. Auch bei einer Entzündung kann viel Trinken auffallen. Hier muss man an Blasenentzündungen und Magen Darm Erkrankungen denken.

Auch Infektionskrankheiten, die Fieber oder Blutarmut auslösen führen zu einem gesteigerten Trinkverhalten. Gesondert erwähnen möchte ich hier noch die Gebärmuttervereiterung die vor allem bei Katzen auftritt, die hormonelle Verhütungs Präparate („die Pille“) erhalten. Der Einsatz solcher Medikamente ist äußerst kritisch zu sehen!


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Fazit

Das Trinkverhalten einer Katze kann Anzeichen einer ernstzunehmenden Krankheit sein. Es hängt aber maßgeblich auch mit der Fütterung zusammen. Deshalb sollte jeder Katzenbesitzer auf die Trinkgewohnheiten seines vierbeinigen Mitbewohners genau achten. Wenn eine Katze viel trinkt, muss es aber nicht immer gleich das Schlimmste bedeuten, vielleicht macht ihr nur die Hitze mehr Durst.

Kommen jedoch noch weitere Symptome wie erbrechen, weniger Fressen, oder viel pinkeln hinzu, solltest du deine Katze zum Tierarzt/ zur Tierärztin bringen. Fast alle Krankheiten in Verbindung mit Polydipsie lassen sich mit der richtigen Behandlung gut managen und die Katzen können bei bester Lebensqualität damit alt werden.


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Aufgewachsen mit vielen tierischen Freunden im ländlichen Oberwölz in der Steiermark (Ö). Zum Studieren nach Wien gezogen. Fleißig studiert und 2013 mit Mag.med.vet mein Studium der Veterinärmedizin beendet. Seitdem als praktische Tierärztin tätig. Spezialgebiete: Innere Medizin und Schmerztherapie. Begeisterte Reiterin und stolze Pferdemama.