Können Hunde Farben sehen?

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In den Regalen vieler Fachgeschäfte liegt kunterbuntes Hundespielzeug aus – doch können Hunde Farben sehen? Oder ist die bunte Vielfalt an Zubehör vielmehr für den Halter gedacht? Wie sehen Hunde die Welt? Ist sie ähnlich farbenprächtig wie die menschliche oder sind Hunde farbenblind? Ein Mythos hält sich hier besonders hartnäckig.

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Anders als früher, als die Wissenschaftler überzeugt waren, dass Hunde nur Schwarz-Weiß sehen, gibt es heute zahlreiche Studien, die das Gegenteil beweisen. Hunde sehen Farben und das sehr wohl. Allerdings nicht das ganz breite Farbspektrum wie der Mensch es tut. Das Ammenmärchen der schwarz-weißen Hundewelt geistert heute aber nach wie vor sehr oft umher.

Mythos: Hunde sehen nur schwarz-weiß

In der Vergangenheit nahm die Wissenschaft an, dass Hunde nur verschiedene Graustufen unterscheiden können. Nach damaligen Erkenntnissen war die Hundewelt also in ein trauriges Schwarz-Weiß gehüllt. Bereits 1983 fanden US-amerikanische Forscher allerdings heraus, dass die Vierbeiner keinesfalls farbenblind sind. Mit drei Milchscheiben, einigen Farbstrahlern und einer gehörigen Portion an Fleisch- und Käse-Leckerli haben die Psychologen Jay Neitz, Gerald H. Jacobs und Timothy Geist die hartnäckige Theorie widerlegt. 

„Zwei der drei Scheiben waren gleich beleuchtet, eine dritte andersfarbig und hinter der lagen die geruchssicher verpackten Leckereien“, erklärte Jay Neitz die Vorgehensweise ihrer Untersuchung. 1989 folgten weitere Studien, die den Spektralbereich der erkennbaren Farben im Hundeauge näher definierten.

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Können Hunde Farben sehen?

Ja, aber eingeschränkt! Die frappante Frage „Können Hunde Farben sehen“ wurde in mehreren, mit leckeren Häppchen untermauerten Experimenten detailliert beantwortet. Die international und unabhängig voneinander durchgeführten Untersuchungen haben ergeben, dass Hunde etwa so viele Farben sehen können wie ein Mensch mit einer Rot-Grün-Schwäche. Während eine normal sehende Person bis zu 200 Farbtöne erkennen kann, ist das Farbspektrum beim Hund deutlich bescheidener.

Wie sehen Hunde?

Auf die Frage „Wie sehen Hunde“ könnte man aus der anatomischen Sicht wie folgt antworten: Mit mehr Stäbchen, aber weniger Zapfen. Zum Hintergrund: In der Netzhaut des Auges sind Stäbchen und Zapfen verankert. Stäbchen sind für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlich, Zapfen dienen dem Farbensehen.

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Während das menschliche Auge mit drei verschiedenen Zapfenarten ausgestattet ist, besitzt das Hundeauge nur zwei davon. In der Fachsprache sind Menschen demnach sogenannte Trichromaten, Hunde – und die meisten anderen Säugetierarten – Dichromaten. Da einzelne Rezeptoren jeweils auf einen bestimmten Spektralbereich spezialisiert sind, können Menschen unterschiedliche Schattierungen aus drei Grundfarben:

Rot, Grün und Blau unterscheiden – brauchen aber Licht dazu. Die Hunde sehen deutlich weniger Farben. Dank der deutlich größeren Stäbchen-Anzahl sehen die Tiere aber deutlich besser in der Dunkelheit als Menschen.

Hunde sehen Farben, die sie zum Überleben brauchten

Die deutlichen Unterschiede in der Sehqualität sind durch verschiedene Lebensweisen der beiden Spezies bedingt. Der überwiegend tagsüber aktive Mensch musste Farben besser unterscheiden, um seine Nahrung zu finden – zumal sein Geruchssinn nicht gut ausgeprägt ist.

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Vor seiner Domestikation war der Hund überwiegend im Morgengrauen und in der Abenddämmerung auf der Jagd und eben diesen Tageszeiten haben sich seine Augen auch angepasst. Im schummerigen Licht musste er hauptsächlich Bewegungen seiner potenziellen Beute erkennen. Ausgeprägte Farbtüchtigkeit war ihm weniger von Nutzen.

Welche Farben können Hunde sehen?

Die zwei Zapfentypen, die das hündische Auge besitzt, decken durch den fehlenden Rot-Rezeptor nur ein Teil des menschlichen Farbsehens ab. Betrachtet man also das gesamte Farbspektrum von Violett über Blau und Grün bis zu Gelb und Rot, ist das Farbensehen beim Hund in Richtung Violett und Blau verschoben. Die letztere Farbe in unterschiedlichen Tönen erkennt der Hund am besten. Ähnlich ist es bei Gelb. Rot und Grün bleiben ihm aber verwehrt.

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Rot-Töne erscheinen Hunden wie Gelb, ähnlich verhält es sich mit Grün, das – je nach Farbmischung – auch Grau erscheinen kann. Purpur fällt ebenfalls farblos, beziehungsweise grau aus. Ein roter Ball auf grüner Wiese bleibt für den Hund eine Herausforderung – sein Auge sieht beide Töne als gelb. Am sinnvollsten sind also Spielzeuge in blauen Tönen – das sieht dein Tier hervorragend!

Fazit zu – Können Hunde Farben sehen

Dank zahlreichen internationalen Feldstudien ist die Frage „Können Hunde Farben sehen“ heute kein Geheimnis mehr. Sind Hunde farbenblind? Eindeutig nicht! Sie sehen viel mehr als nur Schwarz-Weiß, auch wenn ihre Farbtüchtigkeit – im Vergleich zu Menschen – eingeschränkt ist. Unsere Tiere sind bestens im Erkennen von Blau, Violett und Gelb. Vielleicht sollte der nächste Einkauf von Hundespielzeug das tierische Sehvermögen berücksichtigen – und nicht menschliche Farbpräferenzen. (US-Studie 1989: Link)

Studierte Journalistin und geborener Hundefreak, beschreite ich seit einigen Jahren grüne Wege: Naturheilkunde und Nachhaltigkeit für Mensch und Tier. Gebürtige Polin, Freiburg-Liebhaberin und Berlin-Versagerin. Nach einigen beruflichen Stationen als angestellte Redakteurin in Darmstadt, Freiburg und Stuttgart arbeite ich als freiberufliche Journalistin und Autorin. Nach sechs unruhigen Jahren in Berlin wohne ich - sehr ruhig - mit Partner und zwei Tierschutzhunden auf einem alten Bauernhof bei Potsdam.

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